Mit 2 riesigen Gepäckstücken, die ich -allein- nicht mehr als 6 Meter am Stück tragen konnte, und die zusammen sicher die Hälfte meines eigenen Gewichts ausgemacht haben, machte ich mich heut morgen auf den Weg. Im Bahnhof traf ich Hanna, die auf dem Weg nach Finnland war, zu Kaffee und Brötchen. Glücklicherweise hatte sie Sören auf seinem Weg aus der Campusbib mitgebracht (6.30 Uhr), der mir eines der beiden Gepäckstücke abnahm. Am Gleis 11 verabschiedeten wir uns von Hanna, liefen mit beiden Gepäckstücken zurück zur Anzeigetafel, wo Sören mich dann auch verabschiedete. Dort stellte ich dann fest, dass mein Zug auch von Gleis 11 ging (na toll!).
Im ICE sitzend mit Nackenschmerzen und Kniegelenksabnutzungserscheinungen machte ich einen Plan, der auch einigermaßen gut aufging: Ich brachte erst die Reisetasche in die 2 Seitenstraßen weiter liegende Wohnung und holte dann aus dem Schließfach meine Kraxe ab. Die beiden Sachen dann in mein Zimmer zu bekommen, war allerdings nicht allzu einfach: Das Zimmer liegt sozusagen im 4. Stock, dorthin führen die letzte Ebene Miniaturtreppchen hoch (ein Treppchen links, versetzt etwas höher rechts usw.). Aber oben erwartete mich ein kleines, hübsches Reich mit Terrasse- und das alles in einem alten kleinen modrig riechenden Häuschen in Erlangens Innen-Innenstadt. Es ist süß und urig, ein Wunder, dass Internet, Telefon, Warmwasser und alles funktioniert. Was für ein Segen!
Nachdem ich eingekauft, meinen 3-Jahres-Vertrag unterschrieben und Wäsche ausgepackt und gegessen hatte, machte ich mich auf den Weg zur ersten Wohnungsbesichtigung. Das Viertel erinnerte mich an Halle-Neustadt. Aber wo ich ankam wartete ein hübsches kleines 1-Zimmer-Appartment auf mich, mit Balkon. Mutti S., eine typische Schwäbin (Achtung Vorurteil)belatschterte mich, blabla Wohnung blabla. Der recht gutaussende Sohn war anfangs etwas zurückhaltend, übernahm dann aber urplötzlich die Führung des Gesprächs, ja, flirtete er da? Er empfiehlt das Unikurs-Segeln, da ist er auch der Segellehrer. Und ich kann ihn gern bei Facebook nach was fragen, wenn ich was zu Erlangen wissen will. Mutti S. nutzte die Chance eine potentielle Schwiegertochter aufzutun und betonte, dass ich das natürlich unabhängig davon machen könnte, ob ich die Wohnung wollen würde oder nicht. Sie würde mich natürlich anderen Mietinteressenten vorziehen. Holla! Soviel an einem Tag, das nenn ich mal Kulturschock!
Am Bahnhof fragte mich ein Nürnberg-Pendler ob ich für 3,50 Euro bei ihm mitfahren wolle, ich war etwas irritiert und meinte, das lohnt sich nicht (meine Tarifübersicht ist immer noch einem Chaos gleich), woraufhin er auf 3 Euro runterging. Das Angebot nutzte ich dann und wurde 30 Minuten Fahrt durch Blicke gequält, ob sich die 80 cent sparen gelohnt haben?-sicher nicht: Am Ende sagte der etwa 50-Jährige er heiße Matthias und wir sehen uns auf den Pendelfahrten sicher mal wieder (was???Ahhh!)
In der Nähe des Nürnberger Bahnhofs erwartete mich eine hübsche 2-Raumwohnung die etwa 70 Euro günstiger war als die 1-Raumwohnung in Erlangen. Diese hatte aber einen völlig versüfften Teppich und 2 andere Mietinteressenten (denen der versüffte Teppich nichts ausmachte). Die nächsten Besichtigungen erwarten mich morgen und Freitag, die "ich will-die-Wohnung-haben-Erklärung" für die 2. Wohnung werde ich trotzdem schonmal ausfüllen, denn die ist zentral gelegen und hat eine EBK- nur mit diesem Teppich geht das gar nicht!
Jetzt bin ich wieder zu Hause und gehe meine verpassten Schlafstunden der letzten Wochen nachholen. Auf ein neues Leben!(Mist, hab ich doch glatt den Wein zum Anstoßen vergessen)