Sonntag, 14. Oktober 2012

vegetarisch essen?

Ich und Fleisch, das ist schon sehr lange so eine Sache. Als ich 17 oder 18 war, kam es eines Tages, dass ich beim Vorbeigehen an Fleischtheken im Supermarkt Übelkeit vom Geruch der roten Fleischbatzen bekam (heute kann ich diesen Geruch gar nicht mehr wahrnehmen, aber damals hielt er mich ab, Fleisch zu essen). Das Unwohlsein hielt etwa ein Jahr an, und dann begann ich wieder Muttis leckere Bohnensuppen, Linsensuppen und so weiter zu essen. Das Schnitzel und der Schweinebraten gingen nur in kleinsten Mengen in mich rein. Lange aß ich nur Hähnchen, weil der Schweinefleischgeschmack mir immer noch nicht gefiel. Und irgendwann las ich mir Bücher wie das von Karen Duve (Anständig essen) durch, schaute Youtube Videos und eine Dokumentation über die Herstellung von Würstchen. Die letzteren habe ich seitdem maximal zwei oder dreimal aus Höflichkeit den Gastgebern gegenüber mit gegessen, nicht aus Ekel vor dem Fleisch sondern vor den restlichen Zutaten. Heute esse ich Fleisch nur, wenn es wirklich nicht anders geht, so zum Beispiel als ich neulich die letzte Breze am Kiosk erwischt hatte, und auf der dann eine Kochschinkenscheibe lag (wer zum Teufel braucht billigen Kochschinken auf einer Breze?). Eine weitere Ausnahme ist, wenn das Gericht ohne Fleisch nicht schmeckt, so zum Beispiel Muttis Suppen oder Pflaumen, Aprikosen oder anderes im Speckmantel.
So war mir gestern nach dieser kulinarischen Spezialität, aus Trägheit und der vorangeschrittenen Zeit wegen lief ich schnell zum N*** und kaufte Seranoschinken. Nachdem ich heute die zweite Hälfte des Schinkens verarbeiten sollte, entdeckte ich an der Unterseite ausgiebigen Schimmel- haltbar bis Januar 2013. Guten Appetit! Aus den Aprikosen im Speckmantel wurden dann Aprikosen im Zucchinimantel, 

Montag, 27. August 2012

Urlaubszeit

Schon lang hab ich nicht mehr geschrieben. Nürnberg ist halt grundlegend nicht so spannend, als dass es da was zu berichten gäbe. Auf meiner "Urlaubsreise" nach Frankreich und durch Deutschland habe ich mal wieder viele schöne, skurrile, aber auch lustige Dinge erlebt (und natürlich auch ein paar weniger schöne, aber die fallen bei den vielen schönen Dingen grad hinten runter).

Es gibt Menschen, die behaupten, ich sei tollpatschig. Meist kann ich diese Hypothese nicht länger als einen Tag unbestätigt lassen. So auch in Taizé. Wir saßen etwa eine halbe Stunde in Stille auf der kleinen Holzbrücke an der Quelle von Taize, dann wurde uns zu warm (alle trugen kurze Sachen und Flipflops) und wir wollten zurück. Also stand ich auf, beobachtete wie ein paar Jungs eine Horde erstaunlich großer Fische fütterterten, die ihre Mäuler nur so nach dem willkommenen Futter reckten und sich drängelten wer wohl das nächste Stück Brötchen bekäme. Nach wenigen Sekunden war ich des Anblicks müde und schlappte die Brücke entlang, wobei ich einen fremden Flipflop in die zugegeben echt eklig braune Quelle kickte. Der Eigentümer des Flipflops stand auf, schaute einen Moment auf seinen schwimmenden Schaumflipflop, grinste und sagte "don`t worry! I still have one left". Mehrere Mädels um ihn herum kicherten (nicht erlaubt!!). Nun, also was konnten wir tun? Der Flipflop schwamm etwa 5 Meter von der Brücke entfernt, selbst wenn er direkt an der Brücke wäre- Dort würde nun nachdem jeder die schnappenden Fische gesehen hatte, keiner versuchen dran zukommen. Nach einigem Hin und Her Überlegen fanden wir auf dem Rückweg zum Auto (wo wir eine Schnur holen wollten) einen riesigen Stock, der wie in den Weg gelegt auftauchte. Also stocherte unser junger Mann nach dem Flipflop und bekam ihn tatsächlich an Land. Puh! Und dann bedankte er sich noch mit "obrigado"- sehr cool.


Samstag, 31. März 2012

Portugal - short stories, 1. Lissabon

Als ich in Lissabon auf dem Flughafen ankomme, habe ich schon Kontakt zu zwei Nahe-Nürnbergern geschlossen. Mit dem Wissen, dass die Stadt aufgrund des "Greve geral" (Generalstreiks) sehr wahrscheinlich alles tut, nur nicht das, was sie soll, habe ich mir also zwei potentielle Taximitfahrerinnen gesucht. Der Bus in die Innenstadt fährt, und das obwohl wohl überall stand, er führe nicht: Also tut die Stadt tatsächlich alles, was ich nicht erwartet habe. Im Bus zu meinem Hostel im Zentrum Lissabons treffe ich auf eine etwa 50-Jährige Schweizerin, die sofort anmerkt, dass sie hoffe, ihr Hotel sei noch woanders, hier könne man ja nicht leben vor lauter Hochhäusern- hallo das ist Lissabon, eine Weltstadt; wenn sie Urlaub auf dem Land gebucht hat, ist sie hier falsch im Aerobus. Als ich aus dem Bus ausgestiegen bin, sehe ich das Unglück vor mir: Ich mit meinem 7,9 kg (zwar leichtem, aber unter gewissen Umständen doch schwerem) neuen Backpack und eine unglaubliche Ansteige vor mir. Aber da muss ich jetzt hoch, es ist warm, theoretisch gibt es einen straßenbahnähnlichen Aufzug nach oben, aber der steht irgendwo auf der Hälfte der Strecke-Greve geral! Oben angekommen stehe ich fast direkt vor dem Hostel, prima Ding. Ich werde meinen Rucksack los und kann später einchecken.
Am  späten Nachmittag treffe ich in meinem 9-Bett Zimmer auf eine Italienerin, die sich 30 Tage hier im Hostel eingebucht hat und eine Brasilianerin. Mit der Brasilianerin (die auch portugiesisch spricht) ziehe ich dann los auf der Suche nach Essen. Trotz 5-minütiger Beschreibung eines Lissaboner Einheimischen: Außer Bars finden wir nichts in der vorgegebenen Straße und so gehen wir zurück zum Hostel, wo es auch ein Abendessen gibt. Mein vegetarisches Abendessen, ich wurde von der Italienerin vorgwarnt, besteht aus 3-4 Bandnudeln, einer Fischschnitte und einem omeletteähnlichem fischigem Etwas. Die Nicht-Vegetarier bekommen statt der Fischschnitte Gulasch, also Nudeln, Gulasch und Fischomelette, guten Appetit. Die deutsche vegetarische Medizinstudentin neben mir hat sich mit den Umständen abgefunden und isst meine Reste vom Fischomelette.
Nachdem ich am Abend mein Handy aus dem Spint hole und zurück in mein 3-Stock-Bett (ganz oben) klettere, bemerke ich, dass mein Spintschlüssel weg ist. Ich suche im Bett, ich suche auf dem Boden, ich suche im Backpack. Nichts. Dann gehe ich im Schlafanzug zur Rezeption und frage, ob es einen Ersatzschlüssel gibt, vielleicht habe ich den Schlüssel im Spint vergessen. Alles prima, es gibt einen Ersatzschlüssel, doch auch im Spint ist der Schlüssel nicht. Ich suche erneut: unten, oben, in der Mitte, draußen, drinnen und hole mir schließlich (wieder im Schlafanzug an der Rezeption) ein Ersatzschloss. Der junge Angestellte grinst hämisch. Verdammt, das passiert mir doch sonst nie! Am nächsten Morgen reise ich nach nochmaligen Durchwühlen aller Klamotten ab, der Schlüssel ist bis heute nicht aufgetaucht.
Wenigstens ein schöner Tag mit Cafés und grünen Parkanlagen und einer Extra-Portion Sonne erwartet mich, bevor ich nach Evora abreise.

Freitag, 10. Februar 2012

Fragen zum Leben...

Das Bild der Wüste verfolgt mich seit fast einem Jahr. Ich rede mit Menschen (nicht sehr häufig, aber ich tue es), und identifiziere mich mit Worten, die ihnen entgleiten:
"Wenn mich jemand fragen würde, was ich im letzten Jahr tolles erlebt habe und nun manchmal wehmütig vermisse, fällt mir nichts ein."

 Habe ich etwas verpasst, bin ich den falschen Weg eingeschlagen?
Welches wäre der Richtige gewesen?
Und wann hätte dieser Weg angefangen?
Hätte er vielleicht mit einer Nicht-Aktion angefangen?
Damals, als ich aus einer narzisstischen Kränkung heraus, den Kontakt zu dir abgebrochen habe?
Damals, als ich festhielt an dem, was meine Berufung oder berufliche Zukunft zu sein schien?
Damals, als ich aus einer plötzlich auftretenden Sehnsucht nach Stabilität heraus, in einer 3-Stunden-Aktion die Bewerbung auf die Stelle in Erlangen schrieb?
Damals, als ich die Tür dem öffnete, was mich immer noch zerfrisst?

Wenn ich wüsste, welches heute der richtige Pfad ist, den ich einschlagen soll, ich würde sofort meine Sachen zusammen sammeln, den ersten Schritt gehen, und nicht mehr hinter mich schauen.

(Diese Gedanken sind meinem Leben entnommen, können aber auch von jedermann anderem sein. Wer das Gefühl hat, an der ein oder anderen Frage meines Lebens Anteil zu haben, möge sich darüber Gedanken machen, oder nicht).

Sonntag, 4. September 2011

An alle Hinterbliebenen. (ThomasD)

Manchmal überlege ich, weniger häufig zu meiner großen Liebe-Leipzig- zurück zu kehren. Es ist wie im wahren Leben: Ich sehe Leipzig, bin wieder hin und weg, nutze jede Sekunde, auch die gesamte Nacht bis zum Ende, um dann wieder zu verlassen. Das Herz weint, und auch das Wetter hier in Nürnberg kann meine Stimmung nachvollziehen, es regnet unaufhörlich.
Leipzig ist für mich nicht nur das Konglomerat aus Gründerzeithäusern und vom 2. Weltkrieg in Mitleidenschaft gezogenen Gehwegplatten, über deren Unebenheiten ich das ein oder andere Mal gestolpert bin.
Es ist als würde ich mein Fahrrad um die Ecke stehen haben, wenn ich durch die Stadt laufe, als könnte ich wie früher meinen gewohnten Weg oder auch jegliche ungewohnten Wege einschlagen und in null komma nichts in Wagners Parsifal sitzen, das DOK-Filmfestival bestaunen, "Klassik airleben", einen alternativen Streifen im Passage Kino schauen oder einfach in einem Café sitzen und über Gott, die Welt und die psychischen Auswirkungen verschiedenster Umwelteinflüsse philosophieren; als könnte ich am Cospudener See liegen und mit Freunden picknicken oder zu Hause mit meinen Kollegen Kürbissuppe kochen; als könnte ich Freitag nachmittag meine Ökokiste vor meiner Tür erwarten und im Lene-Voigt-Park in unaufhörlichen Kreisen mit Freunden spazieren gehen und die Welt neu erfinden.
Leipzig ist auch die fiese Zeit vor Weihnachten, in der man das Fahrrad nicht mal mehr durch die Innenstadt schieben kann; es ist, wenn Drogenabhängige in der Straßenbahn rumbrüllen und ihren Hund freilaufen lassen; es ist, wenn die Nachbarkinder im Winter aus dem Fenster klettern und schreiend auf der Straße stehen, weil sie die Kälte nicht erwartet haben. Es ist schrecklich spießige Verwaltungsbeamte und es ist unfreundliche Bedienung, es ist ungeduldige Mitkunden, die erwarten, dass man seinen Kaffee gefälligst schneller aus dem Automaten fließen lassen soll und es ist eine unglaublich verspießte Diskoszene.
Ich könnte stundenlang weiter schreiben, was Leipzig für mich ist und war, eins wird mir aber immer wieder klar: Ich hätte Leipzig gern nochmal genauso lang "ertragen", hätte gern nochmal die Wohnung aufgeschlossen und meine früheren (die Guten) Mitbewohner vorgefunden, hätte gern nochmal mit den Kommilitonen im Raum 18 gesessen und einen Frustschokoriegel nach dem Nächsten in mich reingeschoben. Die Zeit kann ich nicht zurückholen, aber es war das Beste was mir passieren konnte, und darüber bin ich sehr glücklich; dass ich jeden Einzelnen meiner Leipziger Freunde kennengelernt habe, und mich in beinahe jeder Ecke Leipzigs zu Hause fühle. Mein Leipzig lob ich mir!

Mittwoch, 10. August 2011

Snakker norsk i Taize

Endlich steht mein Jahresurlaub an, ich bin schon ganz aufgeregt. Das Zelt ist organisiert, eine Regenjacke gekauft, Schlafsack und Luftmatratze eingepackt. Ein paar Befürchtungen von Familie und Kollegen zwecks Wetter sind auch mit im Gepäck. Aber das verdirbt mir die Freude nicht, solange ich nicht friere (dicke Sachen einpacken!), liebe ich wenn der Regen prasselt und die Natur zu mir spricht.
Hätte ich mir sowas letztes Jahr vorstellen können? Sicher nicht; manchmal sollte man ungewöhnliche Entscheidungen treffen, wo anders hingehen, und die ersten harten Monate überstehen. Ich will nicht sagen, dass ich ein anderes Leben führe, aber vielleicht ist es das. Es ist einfach anders, nach Haus zu kommen und zu wissen, da steht alles noch genauso wie ich es früh hinterlassen habe und ich muss mich nicht mit blöden Mitbewohnern rumschlagen (habe natürlich auch keine guten Mitbewohner, aber man kann ja nicht alles haben). Ich kann in meine Wohnung einladen, wann und wen ich will und fahre einfach in Urlaub, weil ich den Urlaub habe (wer sich erinnert, kennt meine Stories mit meinem lustigen "Jahresurlaub" bei WHK-Verträgen, bei jedem meiner 3-4 1/2 Monatsverträge hatte ich genau 1 Tag pro Monat Urlaub (bei halben Monaten keinen Tag), da kann man nicht mal eine Woche in Urlaub fahren). Insgesamt ist hier alles irgendwie unkomplizierter, vielleicht auch weil ich ein wenig unkomplizierter bin. Nach Taize fahre ich jedenfalls mit ein paar Leuten, die ich Ostern kennengelernt habe, und zufällig spricht Antje, mit der ich schon besser befreundet bin, norwegisch, also darf die norwegische Bibel nicht fehlen, echt cool.

Montag, 1. August 2011

Rückfall

In der Psychotherapie von Drogensüchtigen würde man wahrscheinlich eher Zwischenfall sagen, um die Zukunft vorherzusehen, dass der Süchtige wieder clean wird. Nun, irgendwie hat das bei mir nicht funktioniert, ich esse wie vorher auch einmal die Woche etwa Hähnchen. Und neulich konnte ich am Räucherlachs im Supermarkt nicht vorbeigehen, und hab die halbe Packung (roh und ohne was) innerhalb von 10 Minuten gekillt. Andere haben Schokoladenheißhunger, ich habe Heißhunger auf versalzenen Fisch und die Treterchen vom Huhn, egal ob dafür ein Tier geschlachtet wurde oder nicht, das ist ein wenig Craving. Komisch, ich glaub das nicht ganz: Dann war die Ausrede früher, dass ich ja wegen meiner Blutwerte nicht vegetarisch essen kann wirklich nur eine faule Ausrede. Manchmal muss man der Wahrheit ins Auge schauen: Ich toleriere Massentierhaltung und Tötung von Tieren aus ganz egoistischen Trieben.