Sonntag, 4. September 2011

An alle Hinterbliebenen. (ThomasD)

Manchmal überlege ich, weniger häufig zu meiner großen Liebe-Leipzig- zurück zu kehren. Es ist wie im wahren Leben: Ich sehe Leipzig, bin wieder hin und weg, nutze jede Sekunde, auch die gesamte Nacht bis zum Ende, um dann wieder zu verlassen. Das Herz weint, und auch das Wetter hier in Nürnberg kann meine Stimmung nachvollziehen, es regnet unaufhörlich.
Leipzig ist für mich nicht nur das Konglomerat aus Gründerzeithäusern und vom 2. Weltkrieg in Mitleidenschaft gezogenen Gehwegplatten, über deren Unebenheiten ich das ein oder andere Mal gestolpert bin.
Es ist als würde ich mein Fahrrad um die Ecke stehen haben, wenn ich durch die Stadt laufe, als könnte ich wie früher meinen gewohnten Weg oder auch jegliche ungewohnten Wege einschlagen und in null komma nichts in Wagners Parsifal sitzen, das DOK-Filmfestival bestaunen, "Klassik airleben", einen alternativen Streifen im Passage Kino schauen oder einfach in einem Café sitzen und über Gott, die Welt und die psychischen Auswirkungen verschiedenster Umwelteinflüsse philosophieren; als könnte ich am Cospudener See liegen und mit Freunden picknicken oder zu Hause mit meinen Kollegen Kürbissuppe kochen; als könnte ich Freitag nachmittag meine Ökokiste vor meiner Tür erwarten und im Lene-Voigt-Park in unaufhörlichen Kreisen mit Freunden spazieren gehen und die Welt neu erfinden.
Leipzig ist auch die fiese Zeit vor Weihnachten, in der man das Fahrrad nicht mal mehr durch die Innenstadt schieben kann; es ist, wenn Drogenabhängige in der Straßenbahn rumbrüllen und ihren Hund freilaufen lassen; es ist, wenn die Nachbarkinder im Winter aus dem Fenster klettern und schreiend auf der Straße stehen, weil sie die Kälte nicht erwartet haben. Es ist schrecklich spießige Verwaltungsbeamte und es ist unfreundliche Bedienung, es ist ungeduldige Mitkunden, die erwarten, dass man seinen Kaffee gefälligst schneller aus dem Automaten fließen lassen soll und es ist eine unglaublich verspießte Diskoszene.
Ich könnte stundenlang weiter schreiben, was Leipzig für mich ist und war, eins wird mir aber immer wieder klar: Ich hätte Leipzig gern nochmal genauso lang "ertragen", hätte gern nochmal die Wohnung aufgeschlossen und meine früheren (die Guten) Mitbewohner vorgefunden, hätte gern nochmal mit den Kommilitonen im Raum 18 gesessen und einen Frustschokoriegel nach dem Nächsten in mich reingeschoben. Die Zeit kann ich nicht zurückholen, aber es war das Beste was mir passieren konnte, und darüber bin ich sehr glücklich; dass ich jeden Einzelnen meiner Leipziger Freunde kennengelernt habe, und mich in beinahe jeder Ecke Leipzigs zu Hause fühle. Mein Leipzig lob ich mir!

Mittwoch, 10. August 2011

Snakker norsk i Taize

Endlich steht mein Jahresurlaub an, ich bin schon ganz aufgeregt. Das Zelt ist organisiert, eine Regenjacke gekauft, Schlafsack und Luftmatratze eingepackt. Ein paar Befürchtungen von Familie und Kollegen zwecks Wetter sind auch mit im Gepäck. Aber das verdirbt mir die Freude nicht, solange ich nicht friere (dicke Sachen einpacken!), liebe ich wenn der Regen prasselt und die Natur zu mir spricht.
Hätte ich mir sowas letztes Jahr vorstellen können? Sicher nicht; manchmal sollte man ungewöhnliche Entscheidungen treffen, wo anders hingehen, und die ersten harten Monate überstehen. Ich will nicht sagen, dass ich ein anderes Leben führe, aber vielleicht ist es das. Es ist einfach anders, nach Haus zu kommen und zu wissen, da steht alles noch genauso wie ich es früh hinterlassen habe und ich muss mich nicht mit blöden Mitbewohnern rumschlagen (habe natürlich auch keine guten Mitbewohner, aber man kann ja nicht alles haben). Ich kann in meine Wohnung einladen, wann und wen ich will und fahre einfach in Urlaub, weil ich den Urlaub habe (wer sich erinnert, kennt meine Stories mit meinem lustigen "Jahresurlaub" bei WHK-Verträgen, bei jedem meiner 3-4 1/2 Monatsverträge hatte ich genau 1 Tag pro Monat Urlaub (bei halben Monaten keinen Tag), da kann man nicht mal eine Woche in Urlaub fahren). Insgesamt ist hier alles irgendwie unkomplizierter, vielleicht auch weil ich ein wenig unkomplizierter bin. Nach Taize fahre ich jedenfalls mit ein paar Leuten, die ich Ostern kennengelernt habe, und zufällig spricht Antje, mit der ich schon besser befreundet bin, norwegisch, also darf die norwegische Bibel nicht fehlen, echt cool.

Montag, 1. August 2011

Rückfall

In der Psychotherapie von Drogensüchtigen würde man wahrscheinlich eher Zwischenfall sagen, um die Zukunft vorherzusehen, dass der Süchtige wieder clean wird. Nun, irgendwie hat das bei mir nicht funktioniert, ich esse wie vorher auch einmal die Woche etwa Hähnchen. Und neulich konnte ich am Räucherlachs im Supermarkt nicht vorbeigehen, und hab die halbe Packung (roh und ohne was) innerhalb von 10 Minuten gekillt. Andere haben Schokoladenheißhunger, ich habe Heißhunger auf versalzenen Fisch und die Treterchen vom Huhn, egal ob dafür ein Tier geschlachtet wurde oder nicht, das ist ein wenig Craving. Komisch, ich glaub das nicht ganz: Dann war die Ausrede früher, dass ich ja wegen meiner Blutwerte nicht vegetarisch essen kann wirklich nur eine faule Ausrede. Manchmal muss man der Wahrheit ins Auge schauen: Ich toleriere Massentierhaltung und Tötung von Tieren aus ganz egoistischen Trieben.

Freitag, 15. Juli 2011

Die Entscheidung vegetarisch zu leben...

habe ich schon öfter getroffen, nur... so leicht ist das nicht, zum Beispiel wenn es in der Mensa Hähnchenflügel oder matschige Lauchburger zur Auswahl gibt. Da ist die Entscheidung ganz klar. Oder wenn man abends nach der Arbeit nur noch McDonalds als Einkaufsalternative hat und sich als Vegetarier zwischen labbrigen Pommes und einem labbrigen Veggieburger entscheiden kann. Zudem habe ich bisher immer noch im Hinterkopf gehabt, dass ich mal irgendwann Eisenmangel hatte. Der ist jetzt scheinbar weg, und da ich in den folgenden Monaten sowieso öfter mal Blutkontrollen habe, ist dies die perfekte Lösung um mögliche negative Folgen vom vegetarischen Essen zu prüfen. Also jetzt wäre der richtige Zeitpunkt. Nur, ganz ehrlich, Hähnchen und Geflügel, will ich darauf verzichten? In der Mensa matschige Lauchburger essen? Hm. vielleicht nehme ich mir erstmal eine Woche vor, dann eine weitere. Das Buch "Anständig essen", welches ich vor ein paar Wochen gelesen habe, allerdings motiviert mich, das wirklich zu versuchen. Tiere in Massenhaltung und oft nicht ganz einwandfreier Tiermord, das sind Argumente gegen Fleisch; genauso wie der Sojafuttermittelverbrauch und die "Ökobilanz" im Vergleich zu vegetarischen Essen. Mal sehen wann ich irgendwo lese, dass Fleisch doch ganz wichtig ist für die Ernährung und ich mich wieder umentscheide. Mehr zu meinem Erfolg oder Nichterfolg in den nächsten Wochen.

Dienstag, 14. Juni 2011

Dicke Franken

Auch, wenn es nichts hilft über etwas zu reden (s. Facebookkommentar), muss ich doch jetzt gleich mal kundtun, dass ich meine Hypothese, dass die Nürnberger und Erlanger weitaus dicker sind als "der Rest der Welt", alltagspsychologisch mehrfach bestätigen konnte.
Als ich Sonntag um 12 (mittag) beim Reichsparteitagsgelände war, ging ich in ein Seerestaurant, das eine große Außenfläche hatte. Ich unterschied mich, wie immer, dadurch, dass ich allein unterwegs war, aber das war nicht das schlimmste. Ich entschied mich für eine Brezel und einen Kaffee; alle anderen vor und nach mir in der Schlange nahmen Pommes mit Nürnbergern (die kleinen Bratwürstchen) oder nen fettigen Wurstsalat; aber in jedem Fall noch ein halbes Maß. (Mittags um 12!)
Nun, das reicht nicht als Beweis. Heute hab ich mit meiner Nürnberger Sekretärin-Kollegin die Bergkärwa (oder auch Bergkirchweih) besucht. Auf dem Weg erzählte sie, die auch nicht die Schlankste ist, dass die Kinder vor ein paar Jahren mal in der Schule einen einwöchigen Essensplan (was sie wann gegessen haben) abgeben mussten, weil eine Studie gemacht werden sollte, warum in Nürnberg so überzufällig häufige Herzinfarkte vorkommen. Nun, es kam natürlich heraus, dass die Leute extrem fettig essen. Auf dem Berg angekommen, gab es dann Haxn, Nürnberger, Thüringer, halbe Hähnchen, Obatzda usw. zur Auswahl. Ich entschied mich für Langos (haha, ich weiß, dass das auch nicht fettarm ist), meine Kollegin für die Haxn (den Rest nahm sie den Kiddis mit). So und der Oberhammer: Auf der Bergkirchweih bekommt man keine halben Maß, nur ganze! (auch mittags nicht...). Zur Erinnerung: Ein Maß ist ein Liter. Kein Wunder, dass die hier alle betrunken durch die Gegend watscheln und dick sind. Halt, wenn man dick ist, dann wird man doch nicht so schnell betrunken, oder?....na da haben die wohl nicht nur eine Maß getrunken.

Sonntag, 12. Juni 2011

sich "ein"leben

Vielleicht ist es noch zu wenig Zeit, die ich hier bin, aber eingelebt bin ich ganz und gar nicht. Einleben bedeutet sowas wie Heimat finden für mich- ob das überhaupt noch passiert?
Gestern war ich auf dem Weg zum Aldi (1,5km entfernt von hier; um die Ecke gibt es nur Rewe und Netto- Netto ist ungefähr so attraktiv wie...es gibt keinen Vergleich; gehst du in Netto müssen die Verkäufer erstmal dein Wechselgeld in Zeitlupentempo nachrechnen, dementsprechend lang sind die Schlangen; am Jägermeisterfach steht nur: das können sie bei Nachfrage an der Kasse bekommen), als ich den Johannisfriedhof direkt um die Ecke entdeckte. Der ist ebenso unvergleichlich wie der Netto in Nürnberg, aber auf eine andere Art und Weise. Wenn ich abends darauf herumlaufen würde, käme ich mir wie im Gruselkabinett vor oder wie bei den Frankensteins. Da denkt man, den Reichen wurde noch ein Grabdenkmal gekauft, damit sie wenigstens noch etwas von ihrem Reichtum haben. Manche Grabmäler sind sogar mit Eisenketten umrandet.
Diese Symbolik treffe ich hier überall implizit: Man umrandet alles noch einmal; die Augen im Fahrstuhl oder der Straßenbahn fahrend; die adrett engbepflanzten Blumen, Sträucher und Bäume, die dennoch dreist über den Gartenzaun hinwegwuchern und sich ihren Freiraum suchen; und schließlich umranden- sorry, dass ich es schon wieder erwähne- die dicken Menschen ihren Körper mit Quetschklamotten (die dünnen auch, nur da fällt es nicht so auf).
Einleben fällt schwer, wenn man die Wohnung abends zwischen 8 und 10 betritt und früh um 9 verlässt, und sich am Wochenende entweder nach Dresden, Leipzig oder woanders verdrückt. Nächste Woche werde ich zudem einen neuen Balkon bekommen, d.h. Bauarbeiter auf Gerüsten vor dem Fenster wenn ich früh aufstehe.
Habe ich schon erwähnt, dass mich hier wildfremde, psychotische Leute auf der Straße anquatschen, wenn ich meine Kopfhörer nicht drin hab? Ich laufe in letzter Zeit nur noch mit den Hörern rum, da hör ich nicht, wenn die mich anquatschen.

Sonntag, 22. Mai 2011

Busfahrten und co.

Wochentags fahre ich nun 2mal täglich jeweils 10 Minuten mit der Bahn und zwischen 30 und 45 Minuten mit dem Bus zwischen Nürnberg und Erlangen. Manchmal höre ich Einaudi oder Bach oder andere klassische Musik, manchmal versuche ich Hörbuch zu hören, und manchmal versuche ich Artikel zu lesen. So richtig glücklich bin ich noch nicht, denn egal was ich mache, um mich herum sitzen und stehen meist viele, viele Menschen. Manche davon haben Handyflats, das sind die schlimmsten. Sie reden über Beziehungsprobleme (manchmal auch direkt mit dem/r Partner/in), die eigene Karriereentwicklung oder auf einer fremden Sprache über etwas, was ich demzufolge nicht verstehe. Allen gemein ist, dass sie lauter als mein Hörbuch sind (die Busgeräusche tun ihr Übriges)und eindringlicher als meine wissenschaftlichen Artikel. Manchmal habe ich auch Leute neben mir sitzen, die meine Artikel mitlesen, weil ihnen langweilig ist. Die Idee Tagebuch zu schreiben, ist also auch keine umsetzbare Idee. Was also tun? Vor einer Woche habe ich mein Fahrrad nach Erlangen gebracht, denn zwischen Bahnhof und Arbeit liegen nochmal 12 Minuten Fußweg. Jeden Tag mit dem Rad zu pendeln ist aber bei 1 1/4 Stunde Fahrt pro Strecke (neben der Bundesstraße lang) auch nicht sonderlich entspannend.
Und so bin ich weiter auf der Suche nach einer Beschäftigung für meine Busfahrten.

Dienstag, 26. April 2011

Im Kloster...

Über Ostern war ich das zweite Mal auf dem Berg bei den Brüdern. Es war wundervoll- im wahrsten Sinn des Wortes. Die Gemeinschaft war fantastisch und ich habe nicht nur mich und die Menschen dort kennengelernt, da war auch manchmal ein klein wenig Gott, der spürbar geworden ist. Anfangs war ich ganz schön beschleunigt und hatte ein bisschen Bammel vor den 1 1/2 Tagen Schweigen. Aber, unabhängig davon, dass ich über meinen ziemlich großen Schatten gesprungen bin und in der Schweigezeit eine kurze Lesung vor etwa 40 oder 50 Personen gehalten habe, war diese Zeit einfach nur ein riesiges Aufatmen, ein Aufatmen von unwichtigem Gerede, von der Kommunikation, von der Konzentration auf das ich. Das ein oder andere Lächeln und Lachen hat in dieser Zeit Kreise gezogen und es hat mich sehr sehr frei gemacht, erstaunlicherweise insbesondere von dem, was ich gerade alles so mit mir herumtrage. Als die Schweigezeit vorbei war, war dann noch gut Zeit Lebenswege kennenzulernen, Bilder mitzunehmen, und sich mit dem ein oder anderen "vertraut" zu machen, dafür bin ich sehr dankbar. Das Vertrauen reichte sogar so weit, dass ich auf der Rückfahrt gut 2,3 Stunden mit einem hübschen Auto fahren durfte. (An dieser Stelle sollte ich lieber verschweigen, dass ich in einem der Staus etwas unvorsichtig war und beinahe einen Miniunfall produziert habe. Vorbei mit der schönen Ruhe war es schon im Stau, aber spätestens auf der Raststätte. Unglaublich, wieviele Menschen Ostermontag zurück nach Hause wollen. Können die nicht mitm Zug fahren? ;)

Samstag, 16. April 2011

Nudelflatrate und Preisvergleiche

Umzüge sind teuer, das wird mir jetzt bewusst, wo ich Vergleiche anstelle für Waschmaschine, Induktionskochplatten, Kühlschrank etc. Ich erwische mich während meiner 8 Stunden Arbeit am PC immer wieder, dass ich seit ganzen 5 Minuten nicht mehr beim Thema job crafting oder self-determination bin, sondern dabei, wie ich die Zeit vom 28., wo meine Wohnungsübergabe ist bis zum 2.5., wo ich wieder im Büro arbeiten muss, effektiv nutzen kann. Der 29.04. ist Home-Office. In diesem Fall ist "Home" auf der Strecke von Erlangen nach Leipzig, das sind 3 1/2 Stunden und voraussichtlich weitere 3 Stunden in der Campusbib, bevor ich dann zum Möbelabbauen in meine alte Wohnung fahre. Hat jemand am 29.4. noch keine Mittagsverabredung in der Mensa?
Aber das Leben ist nicht nur Organisation von Nötigem und das täglich 8-stündige Lesen wissenschaftlicher Artikel. Bene, mein Mitbewohner, zeigt immer wieder wie es besser geht: Gestern z.B. waren wir Nudelflatrate essen mit einigen seiner Kumpels. Das war ziemlich lustig; nach dem 4. Teller habe ich aufgegeben. Einer von den Jungs hat es auf 7 Teller gebracht. Oder Mittwoch, da hat Bene die Wohnung eingeräuchert. Wir haben uns abends zufällig im Norma getroffen und gemeinsam über die technischen Makel von Toastern gelacht und dann zusammen Nudeln (was sonst?) gekocht. Heute, als ich gereizt auf den wiederholten Anruf meiner Eltern reagiert habe, haben die Jungs, die grad in der Küche zum Lernen zusammensaßen, laut losgelacht. Achja, wenn man manchmal das Leben ein bissle weniger ernst nehmen würde! Es macht soviel Spaß!

Montag, 11. April 2011

Kultur und Co.

Sonntag habe ich das erste Mal "fränkisch" gegessen. Naja, richtig fränkisch war es vielleicht nicht, es war vegetarisch; aber ich habe trotzdem einen guten Eindruck davon bekommen, warum hier so viele, auch jüngere, Menschen extrem dick sind. In Leipzig ist mir das nie aufgefallen. Vielleicht liegt das aber gar nicht nur am fettigeren Essen, sondern daran, dass insbesondere die Mädels hier dennoch "hübsch" sein wollen und dementsprechend mit dem Modetrend -zur Zeit Leggins und Schlabberpullis- mitgehen. Zurück zum fränkischen Mittag, Spätzle-Pilzpfanne. Im Schwäbischen wäre sicher allein an meinem Gericht ein Becher Sahne weniger gewesen, hier jedenfalls lag mir das Essen quer im Magen. Beim Mittagessen mit meinem Kollegen heute stelle ich fest, dass sicher alles gesünder ist als das fränkische Essen, sogar die Thüringer Rostbratwurst ist "leichte Kost" gegen diese unglaublichen Kreationen. Schon mal Schäufele gegessen? (Wie bei der Schweinshaxe ist dort auch noch die Fettschwarte am Stück Fleisch, buah!) Also ich bleib bei meinem Ökoessen und koche daheim oder esse in der Mensa- bisher hab ich dort noch nichts fränkisches gesehen.
Mit Patrick (meinem irischen Kollegen) habe ich Freitag abend bei ein, zwei Feierabend-Drinks über Nürnberger Kultur geredet. Er lebt zwar schon seit 2 Jahren in Nürnberg, dennoch kennt er sich da nicht so gut aus (und so muss ich die Kultur wohl selbst entdecken, denn wen anders kenn ich in Nürnberg noch nicht). Patrick geht nicht ins Theater oder Kino; nicht weil er ein Kulturbanause ist, sondern weil er einfach nicht viel verstehen würde. Nach dem ersten Cocktail gibt er zu, dass er jetzt lieber englisch reden würde. Meine Chance- nur, mein erster Cocktail ist auch schon leer. Was solls. Ich merke in dieser Woche immer wieder, wie glücklich ich mit der neuen Situation bin: ich hab eine tolle Abteilung, die Möglichkeit hin und wieder englisch zu sprechen und meine emails korrigieren zu lassen, und einen Peer, der zwar jetzt schon verdammt viel arbeitet, aber ein "guter" Mensch ist; es hätte mich schlimmer treffen können.
Dennoch überkommt mich hin und wieder die Sehnsucht, ich merke wie ich mehr oder weniger unbewusst vergleiche: Was, ich soll 500 Euro für eine Wohnung ausgeben? Der Kaffee kostet hier im Starbucks 10 cent mehr, Frechheit! und manchmal denke ich an eines der vielen schönen Erlebnisse in Leipzig, an meine alte Abteilung, an meine Freunde.

Montag, 4. April 2011

Einstand

Morgens um zehn stand ich heut in meiner neuen Abteilung, meine Abteilung stand ebenso in ihrer neuen Abteilung. Überall wilde Tische und Holzstühle. Als allererstes rückten Patrick, mein neuer Kollege, und ich 4 Tische so zurecht, dass wir beide im Zimmer sitzen können und man quer durch unser Zimmer kann, um zum Prof-Zimmer zu kommen. Nach einer Einstandsbesprechung mit Kaffee und Kuchen (juhu, die Idee mit dem Kuchen war gut!) ging es zum Rechenzentrum und eine erste PC-Passwort-Email-Notebook-Prozedur wurde uns angetan. Nachmittags dann eine zweite, vorgezogene, Besprechung zur Lehre. Ich mache die Arbeitspsychologie, also eines von unendlich vielen Seminaren. Erlangen hat wohl mehr als 100 BA-Studierende in diesem Semester. Ich bin froh, denn es sind Themen, die ich kenne: Handlungsregulationstheorie, Stresstheorien, Coping, Burnout, Selbstregulation, und schließlich Work-Life-Balance. Dann kommen unsere Rechner, ein großes Staunen beginnt: Der Bildschirm ist riesig, man kann ihn sogar drehen, sodass er nicht horizontal sondern vertikal steht (den Sinn muss ich noch herausfinden), und es gibt HLM und Mplus, und SPSS, Microsoft Office2010 und alles was man sonst noch braucht.
Abends um 8 bin ich dann zu Haus, mit kurzem Schlenker zum Kaufland und rufe meine Bachelor-Arbeits-Studentin an. Während des Gesprächs werde ich von einem Klopfen aufgeschreckt. Huch, hier gibts plötzlich Mitbewohner. Das ist Bene, er ist ziemlich cool drauf, ich beende grad mein Telefonat und quatsche mit ihm. Schließlich rauchen wir auf der Dachterrasse eine Einstandszigarette. Cooler Tag; da vergess ich fast, dass ich noch auf akuter Suche nach einer Wohnung bin.

Freitag, 1. April 2011

Tag 3-kurz und bündig

Was für ein Tag, der Kreislauf floppt und ich stehe nach einem 3-stündigem Mittagsschlaf auf um direkt nach Nürnberg zu fahren. In der Innenstadt findet man alles was man in jeder Großstadt-Innenstadt findet. Um meinen Kreislauf zu stabilisieren, lasse ich mich auf einen Kaffee nieder: Im Starbucks komme ich mit einem Berliner, der seit 10 Jahren in der Nähe von Nürnberg wohnt, und seinem Vater ins Gespräch. Eine Stunde quatschen wir, dann kommen Mutti und Oma vom Shoppen; Nachdem ich eine weitere halbe Stunde mit der Familie zusammensitze und quatsche, muss ich los. In die Südstadt. Dort erwartet mich eine mittelmäßig gut aussehende, günstige 2R-Wohnung ohne Balkon, ich überlege mir noch ob ich mich dort anmelde. Sie liegt in einem reinen Wohngebiet und auf der Straße sieht man halb 7 nicht viele Menschen, eigenartig. Eine halbe Stunde später komme ich in einer Zwischenmiet-WG an. Es stinkt nach Rauch. Der Mitbewohner sieht auf dem Foto aus wie einer der typischen Kauflandkunden in Leipzig. Ich verlasse die Wohnung mit dem Wissen, dass ich hier definitiv nicht einziehe.
Nach Haus gekommen habe ich eine Absage der ersten WG im Emailaccount, aber eine Einladung auf ein Bierchen. Hm, zwei der Mitbewohner waren mir wirklich sympathisch, wäre cool, die mal wieder zu sehen.

der 2. spannende Tag

Die Tauben gurren vor meiner Terrassentür, auf der Dachschräge. Ich wache auf und erinnere mich, ich bin in diesem kleinen Hexenhäuschen. Bis ich mich fertig gemacht hab ist es um 11 und ich versuche in Erlangen die Einrichtung zu finden, wo ich mich immatrikulieren kann. Im Langemarckplatz bin ich falsch, was solls, sind nur 5 Minuten zurück zur Halbmondstraße. Dort fehlen mir allerdings sämtliche Unterlagen: Der 9 Seiten lange Antrag zur Immatrikulation, die Doktorandenlisteneinschreibung und das Ja-Wort meiner Doktormutter. Also Vertagung des Vorhabens auf irgendwann mal.
Bei meiner ersten Wohnungsbesichtigung stolpere ich aus dem Bus direkt in einen Bäcker und frage, weil ich keinen Stadtplan dabei hab, gleich mal nach dem Schobertweg. Die Dame am Tresen als auch eine andere Kundin sind ratlos, haben sie schon mal gehört, vielleicht nach links. Ok, also nach Links. Die nächste Straßenecke ist 5 Meter entfernt und mit dem Schild Schobertweg versehen. Allerdings kommt es nicht zur Besichtigung, denn ich hab eineinhalb Stunden später einen Termin in Nürnberg und die Vermieterin lässt auf sich warten. Schade, schöne 2R-Wohnung mit Balkon.
Die restlichen Wohnungen in Nürnberg sind nicht erwähnenswert für heute, Tapete die von den Wänden kommt, eine schrullige, alte Vermieterin, die ich nicht verstehe, Hauptstraße.
Am Ende des Tages erwartet mich eine Besichtigung eines Zwischenmietzimmers in einer 5er-WG. Ziemlich coole Truppe, dort bleibe ich mit den anderen 4 Bewerbern bis halb 9. Dann gehts auf, ich analysiere sie (die WG), sie analysieren uns.
Als ich endlich im Zug nach Erlangen sitze (21.00 Uhr) ertönt die Durchsage, dass ein Baukran in Erlangen die Oberleitungen zerstört hat und sich die Fahrt auf unbestimmte Zeit verzögert. Nach minutenlangem Warten frage ich einen Anzugtypen, der mit einem Bahnmitarbeiter geredet hat, was los ist. Er weiß nichts, aber hat ein Quartett dabei "die Tyrannen" (Hitler vs. Stalin; wer hat mehr umgebracht). So kommen wir ins Gespräch, spielen Quartett und es wird später und später, 22.00 Uhr eine neue Durchsage, man soll in die UBahn nach Fürth wechseln. ok, 22.30 sitzen wir in Fürth in einem neuen Zug. Der wartet auf Anschlussreisende, welch Polemik. Schließlich sind wir 23.00 in Erlangen. Der 22-jährige SPD-Anhänger hat mich mittlerweile mit Politik zugebombt, und will mich mal wieder treffen. Ich muss mir irgendwas einfallen lassen. Vielleicht versuche ich es beim nächsten Mal mit: Oh, tut mir Leid, du bist nett, aber... Heute belasse ich es bei: Ich wohn da hinten überm Reparateur.

Mittwoch, 30. März 2011

1. Tag in Erlangen

Mit 2 riesigen Gepäckstücken, die ich -allein- nicht mehr als 6 Meter am Stück tragen konnte, und die zusammen sicher die Hälfte meines eigenen Gewichts ausgemacht haben, machte ich mich heut morgen auf den Weg. Im Bahnhof traf ich Hanna, die auf dem Weg nach Finnland war, zu Kaffee und Brötchen. Glücklicherweise hatte sie Sören auf seinem Weg aus der Campusbib mitgebracht (6.30 Uhr), der mir eines der beiden Gepäckstücke abnahm. Am Gleis 11 verabschiedeten wir uns von Hanna, liefen mit beiden Gepäckstücken zurück zur Anzeigetafel, wo Sören mich dann auch verabschiedete. Dort stellte ich dann fest, dass mein Zug auch von Gleis 11 ging (na toll!).
Im ICE sitzend mit Nackenschmerzen und Kniegelenksabnutzungserscheinungen machte ich einen Plan, der auch einigermaßen gut aufging: Ich brachte erst die Reisetasche in die 2 Seitenstraßen weiter liegende Wohnung und holte dann aus dem Schließfach meine Kraxe ab. Die beiden Sachen dann in mein Zimmer zu bekommen, war allerdings nicht allzu einfach: Das Zimmer liegt sozusagen im 4. Stock, dorthin führen die letzte Ebene Miniaturtreppchen hoch (ein Treppchen links, versetzt etwas höher rechts usw.). Aber oben erwartete mich ein kleines, hübsches Reich mit Terrasse- und das alles in einem alten kleinen modrig riechenden Häuschen in Erlangens Innen-Innenstadt. Es ist süß und urig, ein Wunder, dass Internet, Telefon, Warmwasser und alles funktioniert. Was für ein Segen!
Nachdem ich eingekauft, meinen 3-Jahres-Vertrag unterschrieben und Wäsche ausgepackt und gegessen hatte, machte ich mich auf den Weg zur ersten Wohnungsbesichtigung. Das Viertel erinnerte mich an Halle-Neustadt. Aber wo ich ankam wartete ein hübsches kleines 1-Zimmer-Appartment auf mich, mit Balkon. Mutti S., eine typische Schwäbin (Achtung Vorurteil)belatschterte mich, blabla Wohnung blabla. Der recht gutaussende Sohn war anfangs etwas zurückhaltend, übernahm dann aber urplötzlich die Führung des Gesprächs, ja, flirtete er da? Er empfiehlt das Unikurs-Segeln, da ist er auch der Segellehrer. Und ich kann ihn gern bei Facebook nach was fragen, wenn ich was zu Erlangen wissen will. Mutti S. nutzte die Chance eine potentielle Schwiegertochter aufzutun und betonte, dass ich das natürlich unabhängig davon machen könnte, ob ich die Wohnung wollen würde oder nicht. Sie würde mich natürlich anderen Mietinteressenten vorziehen. Holla! Soviel an einem Tag, das nenn ich mal Kulturschock!
Am Bahnhof fragte mich ein Nürnberg-Pendler ob ich für 3,50 Euro bei ihm mitfahren wolle, ich war etwas irritiert und meinte, das lohnt sich nicht (meine Tarifübersicht ist immer noch einem Chaos gleich), woraufhin er auf 3 Euro runterging. Das Angebot nutzte ich dann und wurde 30 Minuten Fahrt durch Blicke gequält, ob sich die 80 cent sparen gelohnt haben?-sicher nicht: Am Ende sagte der etwa 50-Jährige er heiße Matthias und wir sehen uns auf den Pendelfahrten sicher mal wieder (was???Ahhh!)
In der Nähe des Nürnberger Bahnhofs erwartete mich eine hübsche 2-Raumwohnung die etwa 70 Euro günstiger war als die 1-Raumwohnung in Erlangen. Diese hatte aber einen völlig versüfften Teppich und 2 andere Mietinteressenten (denen der versüffte Teppich nichts ausmachte). Die nächsten Besichtigungen erwarten mich morgen und Freitag, die "ich will-die-Wohnung-haben-Erklärung" für die 2. Wohnung werde ich trotzdem schonmal ausfüllen, denn die ist zentral gelegen und hat eine EBK- nur mit diesem Teppich geht das gar nicht!
Jetzt bin ich wieder zu Hause und gehe meine verpassten Schlafstunden der letzten Wochen nachholen. Auf ein neues Leben!(Mist, hab ich doch glatt den Wein zum Anstoßen vergessen)

Sonntag, 13. Februar 2011

Was Erlangen?

Wow, ganz schön schnell rast die Zeit grad. Vor etwas mehr als einer Woche habe ich die Zusage für eine Mitarbeiterstelle an der Uni Erlangen bekommen. In der Zeit hab ich mir eine Zwischenmiete organisiert und mindestens 30 Formulare ausgefüllt: kein Scientology-Mitglied, keine politisch radikalen Gruppen, dass ich dem Staate Bayern verfassungstreu sein werde, wo ich versichert bin, usw.. Leute gefragt, wie man in Nürnberg an eine Wohnung kommt ohne Provision zu bezahlen, natürlich innerhalb eines Monats, und schlussendlich versucht meine sage und schreibe 22 Studiumsordner zu komprimieren. Dabei ist das eigentlich in den meisten Fällen ganz einfach: Hab ich da ein gutes Buch düber? Dann kann der Ordner weg. Aber manchmal sind die Entscheidungen dann nicht so leicht, und so existieren immer noch 16. Sollten maximal noch 12 sein, wenn ich dann umziehe. Schließlich hab ich noch unendlich viele Bücher, Pflanzen, Klamotten, Musikinstrumente, Dekosachen...Küchenutensilien. Hm, will ich wirklich umziehen? Was solls. Der erste Schritt ist getan, die erste Umzugskiste steht in meinem Zimmer. Nur noch 7 Wochen, in denen noch ziemlich viel passieren muss und wird.