Als ich in Lissabon auf dem Flughafen ankomme, habe ich schon Kontakt zu zwei Nahe-Nürnbergern geschlossen. Mit dem Wissen, dass
die Stadt aufgrund des "Greve geral" (Generalstreiks) sehr wahrscheinlich alles tut, nur nicht das, was sie soll, habe ich mir also zwei potentielle Taximitfahrerinnen gesucht. Der Bus in die Innenstadt fährt, und das obwohl wohl überall stand, er führe nicht: Also tut die Stadt tatsächlich alles, was ich nicht erwartet habe. Im Bus zu meinem Hostel im Zentrum Lissabons treffe ich auf eine etwa 50-Jährige Schweizerin, die sofort anmerkt, dass sie hoffe, ihr Hotel sei noch woanders, hier könne man ja nicht leben vor lauter Hochhäusern- hallo das ist Lissabon, eine Weltstadt; wenn sie Urlaub auf dem Land gebucht hat, ist sie hier falsch im Aerobus. Als ich aus dem Bus ausgestiegen bin, sehe ich das Unglück vor mir: Ich mit meinem 7,9 kg (zwar leichtem, aber unter gewissen Umständen doch schwerem) neuen Backpack und eine unglaubliche Ansteige vor mir. Aber da muss ich jetzt hoch, es ist warm, theoretisch gibt es einen straßenbahnähnlichen Aufzug nach oben, aber der steht irgendwo auf der Hälfte der Strecke-Greve geral! Oben angekommen stehe ich fast direkt vor dem Hostel, prima Ding. Ich werde meinen Rucksack los und kann später einchecken.

Am späten Nachmittag treffe ich in meinem 9-Bett Zimmer auf eine Italienerin, die sich 30 Tage hier im Hostel eingebucht hat und eine Brasilianerin. Mit der Brasilianerin (die auch portugiesisch spricht) ziehe ich dann los auf der Suche nach Essen. Trotz 5-minütiger Beschreibung eines Lissaboner Einheimischen: Außer Bars finden wir nichts in der vorgegebenen Straße und so gehen wir zurück zum Hostel, wo es auch ein Abendessen gibt. Mein
vegetarisches Abendessen, ich wurde von der Italienerin vorgwarnt, besteht aus 3-4 Bandnudeln, einer Fischschnitte und einem omeletteähnlichem fischigem Etwas. Die Nicht-Vegetarier bekommen statt der Fischschnitte Gulasch, also Nudeln, Gulasch und Fischomelette, guten Appetit. Die deutsche vegetarische Medizinstudentin neben mir hat sich mit den Umständen abgefunden und isst meine Reste vom Fischomelette.
Nachdem ich am Abend mein Handy aus dem Spint hole und zurück in mein 3-Stock-Bett (ganz oben) klettere, bemerke ich, dass mein Spintschlüssel weg ist. Ich suche im Bett, ich suche auf dem Boden, ich suche im Backpack. Nichts. Dann gehe ich im Schlafanzug zur Rezeption und frage, ob es einen Ersatzschlüssel gibt, vielleicht habe ich den Schlüssel im Spint vergessen. Alles prima, es gibt einen Ersatzschlüssel, doch auch im Spint ist der Schlüssel nicht. Ich suche erneut: unten, oben, in der Mitte, draußen, drinnen und hole mir schließlich (wieder im Schlafanzug an der Rezeption) ein Ersatzschloss. Der junge Angestellte grinst hämisch. Verdammt, das passiert mir doch sonst nie! Am nächsten Morgen reise ich nach nochmaligen Durchwühlen aller Klamotten ab, der Schlüssel ist bis heute nicht aufgetaucht.
Wenigstens ein schöner Tag mit Cafés und grünen Parkanlagen und einer Extra-Portion Sonne erwartet mich, bevor ich nach Evora abreise.
Ja, das ist so ein portugiesisches Ding - nicht nur während des Greve geral. Es passiert nie, was man erwartet (im negativen, aber auch im positiven Sinn).
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